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    Nachricht vom 07.09.10 | MIDORA

    Her mit den Ersatzteilen: Verbraucher fordern Ende von Reparaturmonopolen bei hochwertigen Uhren

    Leipzig, 6. September 2010

    Etliche Hersteller reglementieren die Belieferung mit Originalersatzteilen für Marken- oder Luxusuhren. Von ihren Erfahrungen mit diesem künstlichen Engpass berichteten Verbraucher und Uhrmacher auf der MIDORA Leipzig am Runden Tisch der Uhrmacherbranche. Der Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik hatte Konsumenten sowie Vertreter des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zur Diskussion geladen. Damit wurde die im vergangenen Jahr in Leipzig gestartete Debatte aus Kundensicht fortgesetzt.

    „Die restriktive Haltung seitens vieler Markenanbieter nimmt uns Kompetenz und unseren Kunden die Wahlfreiheit“, erklärte der Würzburger Uhrmachermeister Joachim Zorn auf dem Podium „Probleme des Endverbrauchers durch Nichtbelieferung von Ersatzteilen für Uhren“ im Rahmen der Leipziger Uhren- und Schmuckmesse MIDORA. „Sie können nicht selbst entscheiden, wer ihre Uhr reparieren soll. Das ist verbraucherfeindlich. Denn ich will dem Kunden eine gute Arbeit anbieten - bekomme die dafür nötigen Ersatzteile aber nicht.“ Es sei eine Zumutung, dass Verbraucher zum Teil durch die halbe Bundesrepublik reisen müssten, um einen Betrieb zu finden, der ihre Uhr reparieren darf, so Zorn. Die Uhrenindustrie wolle sinkende Umsätze ausgleichen, indem sie Handwerksarbeiten und damit Wertschöpfung ins eigene Haus hole - auf Kosten der freien Uhrmacherwerkstätten.

    Verärgerte Verbraucher

    Über Ärger mit langen Wartezeiten und hohen Reparatur- beziehungsweise Wartungspreisen durch das Vorgehen der Hersteller berichteten drei Verbraucher aus Celle, Schwelm und Höchberg in der Diskussionsrunde. „Ich wollte meine Uhr bei einem Uhrmacher meines Vertrauens überholen lassen. Doch der Hersteller lieferte keinem die Ersatzteile“, erzählte zum Beispiel Klaus Schönherr aus Celle, Liebhaber hochwertiger Markenuhren. „Für mich ist eine Firma, die sich weigert, Ersatzteile zu liefern, kein Geschäftspartner. Von einem solchen Unternehmen kaufe ich nie wieder eine Uhr“ so das Fazit von Schönherr. „Dem Handwerk wird so der Boden entzogen. Würden alle Uhrenhersteller so agieren, gingen die Uhrmacher pleite.“

    Gefahr für Zukunft des Handwerks

    An Kenntnissen mangele es dem deutschen Uhrmacherhandwerk nicht, um die entsprechenden Reparaturen auszuführen, unterstrich Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und des Unternehmerverbandes Deutsches Handwerk. „Als Spitzenverband setzen wir uns für die Fachbetriebe ein. Es kann nicht sein, dass die Industrie diesen durch selektiven Vertrieb die Grundlage entzieht und das Geschäft vom Handwerker vor Ort zum Beispiel in die Konzernzentrale in die Schweiz wandert und der Kunde das Dreifache zahlt“, so Schulte. Außerdem schädige diese Politik auch die Ausbildung künftiger Fachleute: „Wer keine hochpreisigen Stücke mehr reparieren darf, kann diese Kenntnisse auch nicht an seine Lehrlinge weitergeben.“ Nicht nur der Verkauf von Uhren, sondern das Geschäft der Branche insgesamt werde leiden, betonte zudem Ernst Gottlieb vom Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik. Werde ihr Servicewunsch nicht befriedigt, würden sich die Kunden enttäuscht von ihrem Fachgeschäft abwenden. Verbandsvertreter seien deshalb in Berlin und Brüssel aktiv, um das Ersatzteil-Problem zu lösen.

    Positive Signale

    Zwischen der Swatch Group aus der Schweiz und dem Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik gebe es bereits positive Vereinbarungen, damit die 6.000 Uhrmacher in Deutschland Ersatzteile bekommen: „Mit den Juristen der Swatch Group sind wir in engstem Kontakt“, erklärte Ernst Gottlieb. „Ein Diskussionsprotokoll zur Ersatzteilbelieferung ist von beiden Seiten unterschrieben worden. Die Vereinbarung soll Wegweiser sein für andere Marken.“ Für die Zukunft ist der Verband verhandlungsbereit – gibt sich aber auch kämpferisch: „Über viele Jahre haben wir die Vorgaben der Hersteller hingenommen - waren ruhig, haben lange geschwiegen. Aus Konzessionsverträgen wurden Knebelverträge“, erläuterte Horst Valentin, Präsident des Zentralverbandes für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik. „Es ist Zeit, dass die gesamte Branche zusammensteht und anfängt, sich zu wehren und die Zähne zu zeigen“, so sein Fazit. Durch die Verständigung mit der Swatch Group habe der Verband den Fuß in der Tür: „Jetzt sind wir gefordert, die Tür weit aufzustoßen.“


    Ansprechpartner für die Presse

    PR / Pressesprecher
    Frau Gabriele Groeger
    Telefon: +49 341 678 65 64
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    E-Mail: g.groeger@leipziger-messe.de


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