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    Nachricht vom 09.09.09 | MIDORA

    MIDORA mit Rundem Tisch zur Ersatzteil-Frage im Uhrensektor

    Etlichen Uhrmachern gelinge es immer seltener, die Originalersatzteile der Hersteller für Marken- beziehungsweise Luxusuhren zu beschaffen. Die einschränkende Politik einiger Firmen nehme den Handwerkern eine wichtige Einnahmequelle, meint Horst Eberhardt, Geschäftsführer des Zentralverbandes für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik. "Keine Ersatzteile! - Hören die Uhren auf zu ticken?" lautete deshalb die bange Frage am Runden Tisch der Uhrmacherbranche am Messesonntag auf der MIDORA Leipzig. Eingeladen hatte der Zentralverband; auf dem Podium debattierten Vertreter des Handwerks, der Industrie, aus der Politik sowie Juristen.

    Selbst der Großhandel komme an die Teile nicht problemlos heran, hieß es auf dem Podium: "Der Hahn wird immer weiter zugedreht für uns alle - wir sitzen im gleichen Boot", erklärte Horst Eberhardt. Der schnelle Zugang zu Reparaturen sei erschwert, wenn die defekte Uhr beispielsweise an den Hersteller gesendet werden müsse. Solch restriktives Vorgehen schränke die Wahlmöglichkeit der Verbraucher ein, bedeute weniger Wettbewerb und höhere Kosten. Hersteller würden Vorgaben machen, die von den Uhrmachermeistern Zusatzinvestitionen verlangen. Dazu zählen der Besuch spezieller Schulungen oder die Anschaffung bestimmter Maschinen, wurde während der Diskussion berichtet.

    "Auf uns werden große Existenzsorgen zukommen", warnte Eberhardt. "In Deutschland arbeiten rund 80.000 Beschäftigte im Uhrmacherhandwerk. Wenn keine Reparaturen mehr stattfinden werden, weil es keine Ersatzteile gibt, wird auch weniger ausgebildet", erläuterte der Verbandsvertreter. Betriebsverkleinerungen und Aussterben seien vorprogrammiert. Deshalb sei das Thema für die Uhrmacherzunft von lebensnotwendiger Bedeutung.

    An Kenntnissen mangele es dem deutschen Uhrmacherhandwerk nicht, um die entsprechenden Reparaturen auszuführen: "Der Meister ist das Qualitätssiegel schlechthin für Sachverständnis", betonte Dirk Palige, Leiter der Abteilung Recht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks e. V., "Der Meisterbrief gibt die Zertifizierung, die von den Herstellern gefordert wird. Die Meister- und Innungsbetriebe stehen für saubere Arbeit. Vom Uhrmachermeister zu verlangen, dass er Extraschulungen absolviert für möglichst viel Geld und einen Maschinenpark vorrätig haben soll, das macht das Uhrmacherhandwerk kaputt." Manche Hersteller wollten nicht wahrnehmen, dass es bei Uhren einen eigenständigen Markt für Ersatzteile gebe.

    "Der Service ist für die Verbraucher da. Guter und schneller Service ist jedoch genauso im Interesse der Hersteller und Händler", sagte Gerd-Rüdiger Lang, Inhaber der Chronoswiss Uhren GmbH, im Verlauf des Meinungsaustauschs. Sein Unternehmen habe 150 Konzessionäre, die mit Ersatzteilen beliefert würden. "Wir wollen, dass die Kunden eine gute Arbeit erhalten." Deutschland verfüge über das beste System im Uhrmacherhandwerk - mit Meisterbrief und Meisterlehrlingsausbildung. "Das gibt es in den meisten Ländern der Welt nicht. Nur Japan kommt da heran", unterstrich Lang. "Darauf können wir stolz sein."

    Das restriktive Vorgehen betreffe lediglich einige Firmen und Markenanbieter und nicht die gesamte Industrie, hob Dr. Alfred Schneider, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Schmuck und Uhren e. V. (BV Schmuck + Uhren), hervor. Ein Ausschuss der europäischen Uhrenindustrie befasse sich seit zehn Jahren mit dem Problem Ersatzteillieferung. "Ich glaube, wir haben die Möglichkeit, hier in Zukunft zu einer Lösung zu gelangen", so Schneider.

    Mehr Einsatz von der Europäischen Kommission im Sinne des Uhrmacherhandwerks forderten die Vertreter der Branchenverbände: "Bereits 1999 stand das Problem auf europäischer Ebene auf der Tagesordnung", berichtete Horst Eberhardt. Seit 2003 befasse sich zudem das Bundeskartellamt damit, 2004 die Europäische Kommission. 2009 habe es Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium gegeben. "Wir werden in Berlin über diesen Runden Tisch hier auf der MIDORA Leipzig informieren und hoffen, dass uns das Bundeswirtschaftsministerium weiterhilft." Dirk Palige vom Zentralverband des Deutschen Handwerks betonte: "Es geht um die Versorgungssicherheit der Verbraucher, um die es mit dem bisherigen System schlecht bestellt ist. Wir werden uns mit Italien, Frankreich, Österreich, Luxemburg zusammensetzen und gemeinsam vorgehen. Den Zustand, den wir seit 1999 haben, den nehmen wir nicht länger hin." Unterstützung versprach auch Dr. Angelika Niebler, Mitglied des Europäischen Parlaments, die ihre Kollegen im Wirtschaftsausschuss über die Sachlage informieren möchte.


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